Großer Langlaufski-Test

7. - 9. April 1999 in Filzmoos

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Testläufer und Testleiter

Schnelle Beläge - filigrane Schliffe - neue Konstruktionen

Speed ist Trumpf

Der Skilanglauf lebt und atmet ständig neue Frischluft. Wenngleich ihn diverse Stimmen immer wieder zerreden und am Markt ins Abseits stellen möchten so überzeugt der Blick auf die vielen Loipen die Kritiker immer wieder vom Gegenteil. Der Markt ist trotzdem sehr hart geworden und nicht jeder traditionelle Hersteller führt heute noch dieses Produkt in seinem Angebot. Doch jene, die ihn weiter herstellen und anbieten stellen mit ihrer breiten Palette immer wieder den Beweis an, daß Skilanglauf auch im neuen Jahrtausend seinen festen Platz im Wintersportzirkus einnehmen wird. Stillstand ist Rückgang, das beweist sich auch hier, denn wer nicht ständig an neuen Innovationen feilt, der wird der Konkurrenz buchstäblich nachlaufen. Neben der Konstruktion des Skikörpers spielen heute die Beläge und vor allem die Belagschliffe die entscheidende Rolle, zumindest im Top-Bereich der Renn- und Sportmodelle. Das geringe Gewicht spielt eine weniger große Rolle, als man zwischenzeitlich annahm, der Ski muß schlicht und einfach »laufen« wie von selbst. Der schnellste Wachs und die größte Läuferkraft nützen nichts, wenn der Belag nicht den modernen Erfordernissen entspricht. Und so konnten wir heuer bei unserem Großen Lang-laufski-Test 1999 mit Interesse registrieren, daß sich - vermutlich infolge diverser innovativer Belag- und Schliffentwicklungen - die Differenzen zwischen den Modellen wieder vergrößert haben.

Bereits zum vierten Mal war Filzmoos im österreichischen Pongau unser Partner in Sachen Langlaufski-Test. Das kleine nordischen Zentrum auf 1.600 m Höhe, am sogenannten »Roßbrand« ist für unsere Zwecke in besonderer Weise geeignet. Im Winter kann man es nur von der Talstation mitten im Zentrum von Filzmoos über moderne Sechsergondeln der Papageno-Bahn erreichen. Oben angekommen erschließt sich neben der direkten Talabfahrt für die alpinen Skifreunde auch sofort eine sehr anspruchsvolle und äußerst schneesichere Langlaufloipe, die bis weit in den April zu benutzen ist.

Und wieder war unser Partner Nummer das Vier-Sterne-Hotel Alpenhof in Filzmoos-Neuberg, ein modernes mit sehr familiärem Charakter und entsprechend freundlichem Flair in Regie der Familie Walchhofer. Die gesamte Testmannschaft und die begleitenden Fir-menrepräsentanten waren hier untergebracht und fühlten sich pudelwohl. Uns wurde dort, was sowohl die technischen und räumlichen Dinge anbelangte als auch für Leib und Seele alles vom Feinsten geboten.

Der Tourismusverband von Filzmoos unterstützte uns dankenswerterweise ebenfalls nach Kräften im Zusammenwirken mit der Betriebsgesellschaft der Papageno-Bahn, die uns zum wiederholten Male völlig unkompliziert und total unbürokratisch ihre gesamten technischen Anlagen und Personal zur freien Benutzung überließ. Schon traditionell wählten wir die Woche nach dem Osterfest als Zeitraum für den Test. Und die Schneelage am »Roßbrand« bot beste Bedingungen für unsere Arbeit.

Fast 80 Paar Testski

Leider standen uns in diesem Jahr nicht von allen Herstellern die Testski zur Verfügung. Rossignol (Frankreich) sagte im letzten Moment leider ab, Blizzard (Österreich) ebenso. Karhu/Trak (Finnland) fehlte, weil der zuständige Servicemann kurz vor dem Test schwer erkrankte und kein schneller Ersatz gefunden wurde. Morotto (Italien) hat seine LL-Ski-Produktion im letzten Jahr eingestellt und fehlte somit gleichfalls. Dafür konnten wir erstmalig die Firma Viisnurk aus Estland begrüßen, die mit ihrer Marke »Visu« um mehr Anteile am Markt in Mitteleuropa bemüht sind, wenngleich dieser Hersteller indirekt schon kräftig mitmischt, denn zahlreiche Hersteller lassen dort ihre preiswerten Modelle fertigen. Am Ende standen fast 80 Paar Ski auf der Meldeliste, und es kam auf die zwölf erfahrenen Skilangläufer aus Deutschland, Österreich, Estland und Italien genügend Arbeit zu, um alle Ski jeweils einmal über die Teststrecke und durch die Gleitstrecke zwischen den Lichtschranken zu bewegen. Inkl. Einlaufphase und div. Korrekturrunden hat jederLäufer fast 100 Kilometer an zwei Tagen absolviert. Das ist schon eine ordentliche Leistung, die unseren Dank und Respekt verdient !!

Die Test-Modelle stammen nicht aus dem Sportladen

Die Frage wird uns immer und immer wieder von unseren Lesern gestellt, warum wir immer nur Ski testen, dienicht aus den Läden stammen sondern von den Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Und genauso oft müssen wie die Frage damit beantworten, daß man alle neuen Modelle für die nächste Saison zum Zeitpunkt unseres Tests noch nicht im Laden bekommt! Würden wir den Testtermin in den Herbst verlegen, hätte das zur Folge, daß Sie diesen Test erst frühestens im Januar/Februar zu Gesicht bekämen. Und wem würde das Ganze dann noch nützen? Für die Hersteller ist dieses Verfahren auch nicht unproblematisch, denn die Prototypen der Skimodelle erfahren zwar eine Sonderbehandlung, doch da nur ganz kleine Auflagen hergestellt werden, können diese »Erlkönige« wegen z.B. zu niedrigen oder zu unterschiedlichen Temperaturen bei der Verklebungen oder Verpressungen etc. durchaus jene Fehler in der Konstruktion erleiden, die später der 500ste Ski in der pausenlosen Serienproduktion garantiert nicht mehr aufweist. Alles hat natürlich auch seine guten Seiten, denn Hersteller, die im April feststellen mußten, daß ein Produkt im Test schlechte Noten in dem einen oder anderen Parameter erhielt, werden garantiert reagieren und versuchen, diesem Mangel auf die Spur kommen und vor der Serienproduktion Verbesserungen einzuleiten.

Sehr gleichmäßige Testbedingungen

Schnee ist nicht gleich Schnee und Wetter und Temperaturen sorgen zusätzlich für unterschiedliche Voraussetzungen bei der Wahl eines Ski für Training und Wettkampf. Folglich zerfällt die Palette der Langlaufski auch in die verschiedensten Variationen, um den vielgestaltigen Schnee- und Temperaturbedingungen Rechnung zu tragen. Betroffen ist davon vorrangig der Top-Bereich. Dort finden wir entsprechende Konstruktionsunterschiede im Skikörper als auch diverse Belagsvarianten vor: Ski für kalte Temperaturen mit Pulverschnee für Hartwachs, Ski für trockene Verhältnisse im Plus-Bereich für Hartwachs, Ski für Naßschnee und Regenverhältnisse und Klisterauftrag, Ski für Neuschneebedingungen und vieles mehr. Es wäre allerdings ein müßiges Unterfangen, wollten wir alle Variationen auch testen. Wir müssen uns aus verschiedensten Gründen an den Bedingungen orientieren, die wir vor Ort aktuell vorfinden. In der Praxis heißt das: Es kommt immer nur ein bestimmtes und den Bedingungen angepaßtes Modell zum Einsatz! Welches, das bestimmt der anwesende Servicemann des Herstellers. Wir verfahren dabei sehr großzügig, denn jeder Hersteller darf einen alternativen Ski vorbereiten, er muß sich jedoch bis eine halbe Stunde vor dem Test für das Modell seiner Wahl entscheiden! Und am Ende bleibt die immer neue Feststellung: Es ist der Test an diesem Tag, unter diesen Bedingungen und genau mit diesem einen Ski in seiner speziellen Ausführung! Was eine andere Variante dieses Ski-Modells an einem Tag unter völlig anderen Schnee- oder Witterungsbedingungen geleistet hätte, das bleibt bei diesem Test völlig im Dunkeln bzw. ist erst später in der Praxis des neuen Winters zu erkunden.

Unser Testconstruct

Vorweg gesagt: Die Testbedingungen unterscheiden auch an allen Testtagen. Das zu wissen ist besonders wichtig, wenn man die Gleitzeiten vergleichen möchte. Wie schon zuvor erläutert, mußte jeder Testläufer jeden Ski einmal laufen und am Ende beim Skiwechselpunkt die subjektiven Eindrücke nach vorgegebenen Parametern direkt den Testhelfern nach einem Schulnotensystem ansagen (1 = Bestnote, 5 = schlechteste Note). Wie nachfolgend erläutert gestaltete sich der Test-Ablauf:

1. Testtag, 08.04.1999

Teststrecke am »Roßbrand« auf ca. 1.600 Höhenmetern. Start mit dem Gleittest, dem eine flachere Fahrtstrecke mit diversen Richtungsänderungen folgt. Zum Abschluß ein längerer Anstieg. Die Nowax-Ski müssen eine ausgeflaggte Strecke im Anstieg ohne Stockeinsatz gelaufen werden. Die dabei erreichten Wertungsmarkierungen entscheiden über die Steigfähigkeit der Ski und bestimmen die in diesem Segment besonders wichtige Steignote - vor allem bei den Modellen der Zielgruppe »Wanderski«. Länge der Test-Strecke: ca. 700 m.

Skating-Modelle der Zielgruppe »Racing«:

Bedeckter Himmel, 89 % rel. Luftfeuchtigkeit, kein Niederschlag, diesige Luft, windstill, Altschneeunterlage mit Neuschnee vermischt, mittelharte und leicht feuchte Piste, Lufttemperatur im Mittel 0,7° C plus, Schneetemperatur im Mittel 1° C plus.

Skating-Modelle Zielgruppe »Sport« und »Allround«:

Bedeckter Himmel, 89 % rel. Luftfeuchtigkeit, kein Niederschlag, diesige Luft, windstill, Altschneeunterlage mit Neuschnee vermischt, mittelharte und leicht feuchte Piste, Lufttemperatur im Mittel 0,7° C plus, Schneetemperatur im Mittel 1° C plus.

Belags-Präparierung für alle Skating-Modelle:

CERAX »Pro # 3« (für Neuschnee)

Nowax-Modelle »Racing«, »Sport«, »Allround« und »Wanderski«:

Bedeckter Himmel, 89 % rel. Luftfeuchtigkeit, kein Niederschlag, diesige Luft, windstill, grobkörniger Alt- und Neuschnee vermischt, leicht feuchte Loipe, teils Marmorspur, Lufttemperatur im Mittel 1,2° C plus, Schneetemperatur im Mittel 1° C plus.

Präparierung:

CERAX »Pro # 3« (für Neuschnee). Steighilfezonen mit Siliconspray.

2. Testtag, 09.04.1999

Höhenloipe am »Roßbrand« auf ca. 1.600 Höhenmetern.

Start mit dem Gleittest, dem eine kupierte Laufstrecke mit diversen Richtungsänderungen folgte. Die Nowax-Ski müssen eine ausgeflaggte Strecke im Anstieg ohne Stockeinsatz gelaufen werden. Die dabei erreichten Wertungsmarkierungen entscheiden über die Steigfähigkeit der Ski und bestimmen die Steignote. Die Länge der Test-Strecke betrug ca. 800 m.

Classic-Wachsski, Zielgruppe »Racing«, »Sport« und Allround«:

Klarer Himmel, 82 % rel. Luftfeuchtigkeit, kein Niederschlag, sonnig und trocken, windstill, Altschneeunterlage mit feuchtem Neuschnee vermischt, guter Loipenzustand, Lufttemperatur im Mittel 2,5° C plus.

Belags-Präparierung für alle Classic-Wachs-Modelle:

Gleitzonen mit CERAX »Pro # 1« (für grobkörnigen Alt- und Kunstschnee). Steigzonen wegen besserer Wachsanhaftung leicht angerauht und unmittelbar vor dem Test präpariert mit Klistergemisch div. Hersteller. Der Klister wurde mit CERAX »Pro # 1« als Vereisungsschutz überstrichen (ohne Politur!).

Das Test-Team

Als technischer Leiter fungierte in bewährter Weise der bekannte Ski- und Langlauflehrer und mehrfache deutsche Langlaufmeister Alfons Dorner aus Reit im Winkl. Die organisatorische Leitung und Verantwortlichkeit für die Auswertung lag in den Händen von Herbert Klose, Chefredakteur im Brinkmann-Verlag für die Fachmagazine SKI-MAGAZIN, SKILANGLAUF-/Triathlon-/Marathon-Magazin und SKILÄUFER. Interessierte Gäste des Geschehens waren die Chefredakteure Carlo Brena und Petr Fryc der Partner-Magazine SKI FONDO (ITA) und SKI-MAGAZIN (CZE), die diesen Test auch für ihre Publikationen (neben Veröffentlichungen in weiteren europäischen Verlagen) übernehmen werden.

Unzählige organisatorische Kleinigkeiten sind vor, während und nach den Tests notwendig, die den Einsatz etlicher Testhelfer erfordern. Dazu stellten sich Siggi Müller, Ortwin Lauber und Albrecht Martsch wieder in bewährter Weise in unseren Dienst. Der Profifotograf Arnd Hemmersbach aus Köln begleitete das mit der Kamera und lieferte uns einen entsprechend schönen Bilderbogen. Auch die Skiindustrie stand nicht herum, sondern übernahm schon traditionell in personeller Gemeinschaftsarbeit den technisch wichtigen Part der genauen Zeitmessung mit ihren firmeneigenen Anlagen, die bestens für diese Tätigkeit geeignet sind.

Für die einheitliche Skipräparation sorgte in diesem Jahr ein deutscher Newcomer in diesem Geschäft, die Wiesbadener Firma COLLOID - vertreten durch ihren Produktmanager Dr. Dieter Möller und mit dem revolutionären Gleitwachs-Produkt »CERAX« Racing Polymer. Die beiden weltcuperfahrenen Servicemänner Heiko Schmidt und Uli Afflerbach sowie der vom Brinkmann-Verlag beauftragten Gerhard Klose bereiteten das gesamte Skimaterial gebrauchsfertig vor.

CERAX Racing Polymer ist ein Flüssig-»Wachs«, das aus einem Fluorpolymer-Komplex besteht. Dieses neue Material kommt aus der Max-Planck-Forschung und wurde erstmalig und erfolgreich im Weltcup 1998/99 eingesetzt. Der Auftrag ist extrem einfach und schnell, bügeln entfällt. Es entstehen keine giftigen Dämpfe und der Belag wird geschont. Aufgrund einer ultradünnen Schicht kann die Strukturierung des Skibelages seine gewünschte Wirkung voll entfalten. Die verschiedenen CERAX Pro Versionen sind in einem breiten Temperaturspektrum einzusetzen und für verschiedene Schneearten entwickelt worden. Und Schnelligkeit wie Materialsparsamkeit sind auch hier ein Pluspunkt: In einer Rekordzeit von nur zwei Stunden wurden 34 Paar Skater präpariert (d.h. mehr als 8 Paar pro Mann und Stunde). Für eine Präparation wurden nur ca. 5 ml CERAX aufgetragen. In der Praxis erfolgte der Ablauf wie folgt: Grundpräparation (Wachs) der Gleitzonen durch die Ski-Hersteller (ist empfehlenswert, aber nicht unbedingt notwendig)

  • Ausbürsten mit der Nylon-Walze
  • Auftrag von CERAX Racing Polymer mit Schwammaufträger
  • Trocknen des Belages mit Fön , Polieren mit Rosshaarbürste
  • Fertig!
  • Die beteiligten Skifirmen bzw. deren anwesende Serviceleute dürfen beim Schlußfinish aktiv mitwirken - allerdings nur zur gleichen Zeit und in einem abgegrenzten und übersehbaren Areal. Nach erfolgter Präparation werden die Skier sofort und bis zum Einsatz im Test unter sicheren Verschluß genommen. Lediglich die klassischen Rennskimodelle erhalten vor Ort im Testgelände noch die Nachbehandlung durch Auftrag der Steigwachse. Alle Skier dürfen zuvor schon vom Hersteller grundpräpariert werden, damit sie am Testtag die optimale Basis für das später kaum mehr steigerbare Gleitverhalten erhalten.

    Uns standen zwölf namhafte Testläufer (siehe Personenbeschreibung bei den Porträtfotos) für die Ermittlung der subjektiven Beurteilungen zur Verfügung. Alle Testläufer brachten ihre Erfahrungen aus dem Weltcup, nationalen Spitzenrennen und bekannten internationalen Volksskiläufen mit. In punkto Sicherheit der Notengebung als auch in der bewiesenen Fairneß konnten wir nach Ende aller Auswertungen sehr zufrieden sein mit dem, was in die Bewertungsbögen diktiert wurde.

    Wir verwendeten das Bindungssystem Salomon SNS-Profil für alle klassischen Modelle. Bei den Skating-Modellen brachten wir das neue System SNS-Pilot zum Einsatz. Dabei unterstützte uns die Firma Salomon mit der leihweisen Überlassung sowohl mit Testschuhen als auch durch Bindungen, die in den meisten Fällen von den Herstellern vorab angefordert und montiert waren. Im anderen Fall wurden sie vor Ort durch den deutschen Servicemann Pierre Flory montiert.

    Die Notengebung

    Die Zielgruppenfestlegung sowie die Art der Notenermittlung und ihre tabellarische Darstellung in der Veröffentlichung entspricht den gemeinsam mit der Skiindustrie gefaßten Beschlüssen im Jahre 1997. Gleitwerte im Bereich der Zielgruppe »Wanderski« im Nowax-Bereich werden überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Höchste Priorität spielt hier die Steigfähigkeit, denn die Steighilfe des Ski soll dem Anfänger oder »Genußläufer« seine mangelndn Lauftechnik und oft auch mangelnde Kraft für die speziellen Ablaufbewegungen beim Anstieg durch sehr guten Abdruck und Griff unterstützen.

    Kernpunkt unserer Notengebung ist auch der Verzicht auf eine absolute Gesamtnote. Die Laufnote, d.h. die Durchschnittswerte aller subjektiven Einzelparameter, fungiert als eigenständige Totalnote ebenso wie die Gleiteigenschaft des Ski für sich steht. Im Bereich der klassischen Ski wird zusätzlich eine Steignote als ebenso eigenständige Bewertung die dritte Säule des Notenwerkes bilden.

    Test-Impressionen

    Vorab sind die äußeren Bedingungen während des Tests schon ausführlich beschrieben worden. Ein zunehmendes Problem taucht mehr und mehr im Bereich der Ski-Breiten auf, denn entsprechend der getroffenen Festlegung sollten die Modelle der Gruppe »Allround« eine Mindestbreite von 46mm und die Gruppe der »Wanderski« eine Mindestbreite von 48 mm aufweisen müssen. Dieser Vorgabe werden mehr und mehr Skihersteller nicht mehr gerecht, d.h. daß die Skibreiten sich offensichtlich verringern. Die Aussage des jeweiligen Prospektes und auch dessen Bauweise und Preislage weisen solche Ski zwar eindeutig einerbestimmten Zielgruppe zu, die dann jedoch nicht konform mit unseren Vorgaben geht. So mußte auch heuer wieder beim berühmten »Round Table Talk« der allseits befriedigende Kompromiß gesucht werden, den man schließlich auch in gütlicher Weise fand. Allerdings mußten mehrere Modelle umgruppiert werden.

    Nowax-Ski

    Der Nowax-Ski wird nach landläufiger Meinung gerne als »Schuppenski« bezeichnet. Das stimmt längst nicht mehr in dieser Form. die Schuppe als Steighilfe in der Mitte des Ski ist zwar nicht out, doch nicht wenige Steighilfen weisen so gut wie keine Ähnlichkeit mehr mit dem auf, was vor allem Trak in den 80er Jahren als kleine Revolution vom Wanderski bis hoch in den Rennbereich hinauf marktfähig machte. Jeder Hersteller verfolgt inzwischen eigene Entwicklungen von Steighilfen, die von der Negativ-Schuppe (in den Belag eingefräst) und Positiv-Schuppe (mit erhabener Ausbildung) über Microschuppen, Microbeläge, Kronenschliffe, doppelte (versetzte) Kronenschliffe, Stufensysteme, Chemicalbeläge etc. hinausreichen. Alle Wege führen auch hier irgendwie nach Rom, aber mancher davon ist etwas schwieriger, wie der Praxistest zeigt.

    Nicht jede Steighilfe hielt in unserem Test das, was sie verspricht. Dennoch: auch hier gilt, daß Schwächen genau unter diesen äußeren Bedingungen auftraten, die sich bei grundlegend anderen Verhältnisse ins Gegenteil umkehren können. Andererseits könnten rein theoretisch auch die Erfolgsmodelle unseres Tests in anderen Situationen Schwächen zeigen. Generell gibt es keine Steighilfe für alle Schnee- und Temperaturbedingungen! Lediglich die Bandbreite der Nutzungsmöglichkeit variiert von Modell zu Modell. Und generell mögen alle Nowax-Modelle keine vereisten Loipen!

    Nowax - das wird ebenso fälschlich oft als »nicht wachsen müssen« interpretiert. Doch wer damit genußvoll laufen möchte, muß auch entgegen anderslautendem Rat seinem Nowax-Ski eine entsprechende Pflege zukommen lassen. Die Gleitflächen im vorderen und hinteren Bereich sollten gleich vor dem ersten Gebrauch eine ordentliche Präparierung bekommen, die jedes gute Sportfachgeschäft schon erledigen kann. Diese muß nicht jedes Mal erneuert werden, doch sollten die Steighilfezonen in der Mitte mit entsprechenden Pflegemitteln, die es zumeist als Spray gibt, behandelt werden. Steighilfen wirken eben nicht nur helfend beim Aufstieg, sondern sie können auch mehr oder weniger bitterböse Bremser sein, wenn man es an der nötigen Pflege mangeln läßt.

    Der Markt bietet auch eine ganze Reihe von Modellen für den sportlichen Läufertyp. Die Skibreiten reduzieren sich, das Gewicht ist vermindert, die Konstruktion verfeinert und die Länge der Steighilfe verringert. Im gleichen Maße steigt der Preis, den man dafür auf den Ladentisch blättern muß. Die Topmodelle sind im Grunde nur leicht modifizierte Rennski in 43-44,5 mm Breite. Diese Ski nutzen sogar Weltklasseläufer bei sensiblen Bereichen wie Neuschnee bei Null-Temperaturen, wo er dem herkömmlichen klassischen Wachs-Rennski durchaus überlegen sein kann. Diese Modelle werden auch gern im Training benutzt bzw. schätzen ihn z.B. Berufstätige, die nach Feierabend keine Zeit für aufwendige Präparation haben. Dieser Ski geht eben in irgendeiner Weise immer, wenngleich nicht immer optimal - aber wen stört das schon im Training?

    Beim Nowax-Ski kommt es generell in erster Linie auf guten Abdruck bei jeder Situation und vor allem auf die Steigfähigkeit an, was natürlich vor allem für die weniger sportliche Zielgruppe gilt, denn dieser Personenkreis legt aus unterschiedlichsten Gründen vor allem keinen großen Wert auf schnelle Fahrleistungen. Im Gegensatz dazu sollte ein Nowax-Rennmodell aber gute Gleiteigenschaften aufweisen. Entsprechend hoch wurden dabei auch die Parameter bei der Bewertung der Gleitfähigkeit dieser Skigeräte im Bereich »Racing« und »Sport« angesetzt.

    Die Testläufer hatten somit die nicht ganz einfache Aufgabe, die Nowax-Modelle völlig unterschiedlich zu beanspruchen und entsprechend den Zielgruppen zu bewerten. Die Racingski mußten demnach hochsportlich gelaufen werden, die Sport- bzw. Allroundski locker und mit genußvoller Technik, die Wanderski hingegen in bewußt jener unrunden Technik, die dem Anfänger und Freizeitsportler gemeinhin zuzuschreiben ist - wenngleich es einem technisch versierten Rennläufer zugegebenermaßen schwer fällt, solche »Clownerien« auf Ski zu veranstalten. Sollte man daher lieber Anfänger für diesen Test einzusetzen? Ganz klar: Nein! Unsere unabhängig von diesem Profi-Test gesammelten Erfahrungen haben beweisen, daß Anfänger zunächst die größte Mühe mit sich selbst haben, geschweige denn, sie könnten sich auf den Ski konzentrieren und ihm am Ende sogar noch eine wirklich überzeugende Note geben.

    Der Weg zur Note

    Nach dem Praxistest kommt die Stunde der Wahrheit, d.h. zunächst müssen rund 5.500 Einzeldaten vom Notizpapier Ziffer für Ziffer und Wort für Wort in das kalte Computerhirn übertragen werden. Trotzdem geht es uns hier nicht nur um kalte und nackte Zahlen, sondern wir wollen auch ergründen, warum und wieso diese oder jene Wertung zu Papier gekommen ist. Sehen Sie dazu den besonderen Anhang, in dem wir im Telegrammstil die Zielgruppen-Zuordnung und die Zusammensetzung der Noten erläutern.

    Grundsätzlich aber kann man sagen, daß sich der positive Trend beim Skibau fortgesetzt hat, denn die Qualität des getesteten Skimaterials erwies sich generell als gut und praxistauglich auf hohem bis höchstem Niveau! Allerdings sind die Differenzen wieder größer geworden. Das heißt aber nicht, daß man hier und da in der Qualität geschlampt hätte, sondern es entspringt der Eingangs beschriebenen Entwicklung, daß ein paar Hersteller so richtig an der Performance gefeilt haben und sich in der Folge spürbar von denen abgesetzt haben, die vermutlich weniger an ihren Modellen gearbeitet haben. Und das trifft im Grunde für alle Zielgruppen gleichermaßen zu.

    Das fiel uns auf…

    Interessante Experimente und richtungsweisende Innovationen sind durchaus feststellbar. Auch bei den sogenannten »Kleinen in der Nische« wird erfreulich eifrig an neuen Dingen gefeilt. Allerdings dürften nicht selten die nötigen Geldmittel fehlen um grundlegende Neuerungen schnell umzusetzen. Detailverbesserungen sind allerding unübersehbar und das schlägt sich auch im Endergebnis meist positiv nieder. In unseren Wertetabellen sollten Sie vor allem die Details der Parameter beachten, wenn Sie bei einem Ski Wert auf ganz bestimmte Qualitäten legen. Die Gesamt-Laufnoten sagen eben nicht immer alles aus, denn sie stellen ja nur einen Durchschnittswert dar.

    Das Skatingangebot ist ungebrochen vielfältig. Und nicht nur eine Zunahme der Modelle in Cap-Bauweise (Seitenwange und Deckfläche sind dabei eine einzige Schale) bestimmen den Trend sondern auch echte Neuerungen. So brachte der finnische Hersteller Peltonen mit dem »Cosmic« ein absolutes Leichtgewicht in den Test (mit 699,-DM empf. VK-Preis auch das teuerste Modell), die Österreicher Fischer und Atomic präsentierten ihre neuen Entwicklungen »RCS Skatecut« (mit einer Doppeltaillierung) bzw. »Beta Skating« (vom alpinen Erfolgssystem abgeleitet), die sich von ihren Vorgängern bzw. der bestehenden Produktlinie deutlich in der Konstruktionsweise abheben.

    Betrachten wir die Einzelparameter, so sehen wir, daß Atomic mit dem »Beta Skating« die besten Einzelbewertungen gleich in drei Parametern erhielt: a) wie der Ski vom Fuß geht, b) Abstoßverhalten. Dazu kommt die beste Gesamt-Laufnote mit 1,51. Fischers »RCS Skatecut« liegt in der Gesamt-Laufnote mit 1,58 nur unwesentlich dahinter und konnte in den Einzelparametern »Führungsstabilität« und »Abfahrtsverhalten« jeweils die Bestnoten markieren. Schnellster Gleiter im Durchschnitt aller Fahrten war das Modell »Ergoskate Carbon Plus« von Kneissl.

    Bei den Skating-Modellen der Zielgruppe »Sport« ging es ebenfalls knapp an der Spitze zu. Hier dominierte der »SCS Skating« von Fischer in der Gesamtlaufnote von 1,75 vor den punktgleichen (1,85) Modellen Atomic »ATC Skating« und Madshus »Lillehammer Skate«. Letztgenanntes Modell legte auch die beste Durchschnitts-Gleitzeit hin und wurde im Einzelparameter »Geht vom Fuß« mit Bestnote bedacht.

    Unter den Combi-Ski für beide Stilarten schaffte in der Bewertung der Skating-Eigenschaften das Modell »Lerch 440 Combi« des italienischen Herstellers Slegar die beste Laufnote während es bei den Gleitfahrten einen exakten Gleichstand mit dem Modell »Team Combi« des zweiten italienischen Herstellers Ski Trab gab.

    Im Bereich der klassischen Wachsski überzeugte Fischer in der Zielgruppe Racing mit seinem Modell »RCS Classic plus« in der Gesamt-Laufnote (1,54) und im Steigtest (1,33). Als schnellster Gleiter erwies sich der »ARC Classic« von Atomic.

    Auch in der Zielgruppe »Sport« (die sich qualitätsmäßig fast nicht von den Rennmodellen unterscheidet) setzen sich Fischer mit dem »SCS Classic« mit absolut bester Gesamtlaufnote (incl. Bestnoten aller vier Einzelkriterien) sowie bester Steignote klar durch. Das Atomic-Modell »ATC Classic« fuhr hingegen die beste Durchschnittszeit im Gleittest. Unter den Combi-Modellen gab es die gleiche Reihenfolge der beiden Italiener wie beim Skatingtest.

    Bei den klassischen Wachsski-Modellen der Zielgruppe »Allround« lag das Modell »SC Classic« von Fischer in der Gesamt-Laufnote und im Gleittest vorn. Atomic glitt mit »ACS Classic« am flottesten.

    Im Bereich der Nowax-Ski erwies sich im Racing-Segment das einzig vertretene Peltonen-Modell »Zenith Cap Zeta« als ein sehr guter Ski. Bei den Modellen der Zielgruppe »Sport« feierte Fischer mit den Modellen »RCS Crown« und »CS Crown« einen Doppelsieg in der Laufnote (1,83 + 1,85). Atomics »ATC Classic DTR« war der absolut überzeugendste Kletterer beim Steigtest (1,71). Fischers »CS Crown« hingegen fuhr im Gleittest allen davon.

    Fischer dominierte auch in der Nowax-Gruppe »Allround«. Fischers »SL Superlight Crown« erhielt die absolut besten Noten im Lauftest (1,91) und zusammen mit dem Germina-Modell »GS 500 Tri-Step« in der Gleitfahrt. Im Steigtest erwies sich das Visu-Modell »Optima Step« (1,75) als bester Kletterer.

    Im Bereich der Nowax-Zielgruppe »Wanderski« erzielte kein einziges Modell Laufnoten unter der 2,0. Vielleicht liegt die Ursache dafür in der Tatsache, daß die Testläufer vom Gefühl her diesen Ski zu hart beurteilen, was nicht heißen soll, daß er dem Beginner nicht geradezu auf den Leib zugeschnitten ist. Das Atomic-Modell »ALL Sport 52 DTR« bekam mit 2,16 die Bestnote knapp vor Fischers »XC Fibre-Crown« (2,18). Im wesentlichen funktionierten diese Modelle aber im wichtigsten Part, dem Steigtest. Dort erwiesen sich der »XC Fibre Crown« mit 1,33 als deutlich überlegen. Punktgleich folgten mit 1,54 die Modelle »Mirage« von Peltonen und »Ultra Step« von Visu.

    Nicht mehr getestet haben wir die sogenannten »Kurzski«, die trotz der durchaus nicht uninteressante Modelle offenbar nicht den Durchbruch am großen Skimarkt geschafft haben, die man aber trotzdem noch von wenigen Herstellern erwerben kann.

    Herzlichen Dank…

    sagen wir abschließend allen Beteiligten am Großen Langlaufski-Test 1999. Dank gilt der Familie Walchhofer und dem Personal des Hotel Alpenhof in Filzmoos-Neuberg, dem Tourismusverband Filzmoos und der Papageno-Bahn in Filzmoos für die organisatorische Mitwirkung bei der Loipenherrichtung und Transportfragen. Ein Dank geht an die Firma Adidas-Salomon Deutschland und ihren Servicemann Pierre Flory für den Service für Schuhe und Bindungen. Ein gleicher Dank gebührt der Firma Colloid und ihren Serviceleuten Heiko Schmidt und Uli Afflerbach, die durch einen neutralen Wachsdienst für eine optimale Präparierung der Testski sorgten. Der herzlichste Dank gilt aber den zwölf Testläufern, die sich über rund 1.000 Kilometer abmühten, um uns und letztlich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die vorliegenden Noten zu bescheren. Dank gilt allen Firmen, die uns ihre Produkte für den Test bereitstellten und durch konstruktive Mitarbeit zum Erfolg beigetragen haben. Nicht zuletzt gilt ein Dank allen Mitarbeitern des Organisationsteams vom Brinkmann-Verlag als Veranstalter.

    Texte: Herbert Klose

    Ski- und Zielgruppen-Definitionen,

  • Lauftechnik,
  • Skigerät und Bewertung,
  • Läufertyp,
  • Anwendungsgebiete,
  • Ski-Maße
  • SKATING

    Racing

  • Wettkämpfer
  • Gleitnote
  • Topgerät für Könner
  • Subjektive Note
  • max. Skibreite 45 mm
  • Sport

  • Sportlicher Läufertyp
  • Gleitnote
  • Keine hohen Wettkampfambitionen
  • Subjektive Note
  • max. Skibreite 45 mm
  • CLASSIC - Wachsski

    Racing

  • Wettkämpfer
  • Subjektive Note
  • Topgerät für Könner
  • Steignote
  • max. Skibreite 45 mm
  • Gleitnote = reine gemessene Gleitzeit
  • Sport

  • Sportlicher Läufertyp
  • Subjektive Note
  • Keine hohen Wettkampfambitionen
  • Steignote
  • Trainingsgerät
  • Gleitnote = reine gemessene Gleitzeit
  • max. Skibreite 45 mm
  • Allrounder

  • Sportlicher Freizeitläufer
  • Subjektive Note
  • Geringe Wettkampfambitionen
  • Steignote
  • Mehr Genußski denn Trainingsgerät
  • Gleitnote = reine gemessene Gleitzeit
  • Skibreite 46 - 48 mm
  • CLASSIC - Nowaxski

    Racing

  • Wettkämpfer
  • Subjektive Note
  • Topgerät für Könner
  • Steignote
  • max. Skibreite 45 mm
  • Gleitnote = reine gemessene Gleitzeit
  • Sport

  • Sportlicher Läufertyp
  • Subjektive Note
  • Keine hohen Wettkampfambitionen
  • Steignote
  • Trainingsgerät
  • Gleitnote = reine gemessene Gleitzeit
  • max. Skibreite 45 mm
  • Allrounder

  • Sportlicher Freizeitläufer
  • Subjektive Note
  • Geringe Wettkampfambitionen
  • Steignote
  • Mehr Genußski denn Trainingsgerät
  • Gleitnote = reine gemessene Gleitzeit
  • Skibreite 46 - 48 mm
  • Wanderski

  • Freizeitläufer und Anfänger
  • Subjektive Note
  • Trainingsgerät
  • Steignote
  • Skibreite über 48 mm
  • Gleitnote = reine gemessene Gleitzeit (ohne besondere Bedeutung)

  • Die virtuelle Loipe
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